
Zecken:
So schützen Sie sich vor gefährlichen Stichen
Kaum wird es draußen milder, lauern die Zecken wieder an Grashalmen, in Hecken und am Waldrand. Die meisten Begegnungen bleiben harmlos, doch jeder Stich birgt die Gefahr, Erreger zu übertragen, die schwere Erkrankungen auslösen können. In diesem Überblick erfährst Sie, was Zecken eigentlich sind, wo sie besonders gern zustechen, warum ihr Stich gefährlich werden kann, welche Krankheiten sie auslösen, wie Sie sich effektiv schützen und welche Mythen über Zecken kursieren.
Was sind Zecken?
Zecken gehören nicht zu den Insekten, sondern zur Klasse der Spinnentiere. Die in Deutschland dominierende Art heißt Ixodes ricinus, besser bekannt als Gemeiner Holzbock. Sie durchläuft drei Entwicklungsstadien (Larve, Nymphe, adultes Tier) und braucht für jedes Stadium eine Blutmahlzeit, um sich weiterzuentwickeln. Als klassische „Lauerjäger“ klettern Zecken meist nur wenige Dezimeter hoch auf Gräser oder niedrige Sträucher, strecken die Vorderbeine aus und lassen sich von Tieren oder Menschen abstreifen. Danach krabbeln sie oft minuten- bis stundenlang auf der Haut umher, bis sie eine geschützte Stelle finden, an der sie ihren Stechrüssel ansetzen.
Typische Stichstellen: Wo Zecken bevorzugt zustechen
Weil der Saugvorgang mehrere Tage dauern kann, suchen Zecken weiche, gut durchblutete und zugleich versteckte Hautareale. Häufig betroffen sind
- Haaransatz, Nacken und Ohren,
- Achselhöhlen und Ellenbeugen,
- Brust- und Bauchfalte sowie Bauchnabel,
- Leistenregion und Genitalbereich,
- Kniekehlen, Wadeninnenseiten und Knöchel.
Kinder werden besonders oft am Kopf oder im Nacken gestochen, weil sie kleiner sind und häufiger im Gras spielen.
Warum ein Zeckenstich gefährlich sein kann
Der Stich an sich schmerzt kaum: Zeckenspeichel enthält betäubende und gerinnungshemmende Stoffe, damit die Mahlzeit ungestört verläuft. Gefährlich wird es, wenn die Zecke beim Saugen Krankheitserreger abgibt. Gegen einige dieser Erreger (etwa Borrelien) kann man Antibiotika einsetzen, gegen andere, wie das FSME-Virus, gibt es nur vorbeugenden Impfschutz. Hinzu kommt, dass Symptome oft verzögert auftreten; wer die Zecke nicht bemerkt oder den Zusammenhang übersieht, sucht manchmal erst spät ärztliche Hilfe, wenn sich die Krankheit bereits manifestiert hat.
Die wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten
Lyme-Borreliose: Typisches Frühzeichen ist die „Wanderröte“ – eine sich ausdehnende Ringrötung um den Stich. Unbehandelt können Wochen bis Monate später Nervenschmerzen, Gelenkentzündungen oder Herzprobleme folgen. Antibiotika wirken in fast allen Stadien gut, vorausgesetzt, die Erkrankung wird erkannt.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Verursacht durch FSME-Viren, kann diese Infektion zunächst grippeähnlich verlaufen und bei etwa jedem Dritten in eine Entzündung von Gehirn oder Hirnhäuten übergehen. Dauerhafte Lähmungen oder andere neurologische Schäden sind möglich. Eine Impfung bietet nahezu vollständigen Schutz.

So schützen Sie sich wirksam vor Zecken
Ein 100-prozentiger Schutz ist kaum möglich, doch mit folgenden Maßnahmen können Sie das Risiko drastisch senken:
- Richtig anziehen: Lange Hosen, geschlossene Schuhe, langärmelige Shirts. Helle Stoffe erleichtern das Entdecken von Krabblern.
- Auf den Wegen bleiben: Hohes Gras und dichtes Unterholz möglichst meiden.
- Repellents nutzen: Haut- oder Textilsprays mit DEET, Icaridin oder Eukalyptus-Citriodora-Öl schrecken Zecken für zwei bis vier Stunden ab.
- Körper absuchen: Unmittelbar nach Outdoor-Aktivitäten duschen und gezielt alle „Lieblingsstellen“ inspizieren. Bei Kindern besonders gründlich schauen.
- FSME-Impfung: Wer in Risikogebieten lebt, arbeitet oder Urlaub macht, sollte den Impfschutz komplettieren und regelmäßig auffrischen. Eine Karte der FSME-Risikogebiete kann kostenlos auf der Webseite des Robert Koch-Instituts eingesehen werden.
Zecken richtig entfernen
Greifen Sie die Zecke möglichst nah an der Haut mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenkarte, ohne den prallen Hinterleib zu quetschen, und ziehen Sie die Zecke langsam, gleichmäßig und senkrecht heraus. Anschließend Stichstelle und Hände desinfizieren, Datum notieren und die Haut in den nächsten Wochen beobachten; bildet sich eine ringförmige Rötung oder treten grippeähnliche Symptome auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Sieben verbreitete Irrtümer über Zecken
Über Zecken gibt es viele weit verbreitete Mythen. Hier sieben gängige Irrtümer:
- „Zecken fallen von Bäumen.“ Nein, sie lauern meist höchstens kniehoch im Gras oder Gebüsch.
- „Zecken beißen.“ Genau genommen stechen sie und ritzen die Haut mit ihrem Saugapparat ein.
- „FSME gibt es nur im Frühsommer.“ Virustragende Zecken sind ab fünf bis sieben Grad ganzjährig aktiv.
- „Meine Region ist zeckenfrei.“ Borreliose-Erreger sind nahezu überall verbreitet; FSME-Risikogebiete breiten sich nach Norden aus.
- „Lange Kleidung reicht vollkommen aus.“ Hilft, ersetzt aber nicht das Absuchen oder Repellents.
- „Zieht man die Zecke schnell heraus, kann nichts passieren.“ Das mindert zwar das Borreliose-Risiko, aber FSME-Viren werden sofort übertragen.
- „Öl, Nagellack oder Klebstoff ersticken die Zecke.“ Die Mittel stressen das Tier, wodurch es vermehrt Speichel abgibt und das Infektionsrisiko so noch erhöht.
Fazit: Zecken gelassen und vorbereitet begegnen
Zeckenstiche sind unangenehm, doch mit etwas Vorsicht und Wissen lassen sich die meisten Risiken kontrollieren. Kombinieren Sie passende Kleidung, Repellent, gründliches Absuchen und in Risikogebieten die FSME-Impfung, dann können Sie Waldspaziergänge, Gartenarbeit oder Picknicks auf der Wiese unbeschwert genießen. Bleibt nach einem Stich eine Rötung oder treten grippeähnliche Symptome auf, suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat. So bleibt der Kontakt mit den kleinen Blutsaugern in der Regel folgenlos.
Quellen:
- Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Zeckenstich (Stand: 30.04.2025)
- Stiftung Gesundheitswissen: Zeckenbisse: Wie man sich schützen kann (veröffentlicht: 17.07.2024)
- Niedersächsisches Landesgesundheitsamt: Zecken (Abruf: 07.06.2025)
- NABU: Die sieben häufigsten Irrtümer (Abruf: 07.06.2025)
- Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit: Infos zu Zecken und Krankheiten (Stand: 09.05.2025)
- Robert Koch Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich, Infektion (Stand: 28.11.2024)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Infektionen über Zecken und Mücken (Stand: 30.09.2024)
- Robert Koch Institut: Karte der FSME-Risikogebiete (Stand: 27.02.2025)
Über den Autor
Volker Blasek ist Diplom-Redakteur mit den Themenschwerpunkten Gesundheit und Medizin. Mit über 3000 veröffentlichten Beiträgen in verschiedenen Medien ist er ein erfahrener Fachmann auf seinem Gebiet. In seiner Freizeit widmet er sich gerne seinem Garten und liebt es, neue Reiseziele zu erkunden.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.